Erfahrungsbericht

Neue Hoffnung nach zehn Jahren Drogen und Knast

 

Im Leben eines Drogensüchtigen gibt es Dinge, die er niemandem erzählen kann, Dinge, die er niemandem erzählen darf. Denn sie sind schrecklich und schmerzen, alleine wenn man daran denkt. Ich möchte aber von meiner dunklen Vergangenheit erzählen, um zu zeigen, dass es immer Hoffnung gibt, egal wie tief und lange man in den Drogen steckt. Und dass es nie zu spät ist, um davon geheilt und frei zu werden.

 

​Mein Name ist Darian*. Ich bin 37 Jahre alt, komme aus dem Iran und lebe seit 15 Jahren in Deutschland. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie oft ich meine Mutter weinen sah, wie oft ich ihr und meiner Familie wehtat und sie belog, wie oft ich meine Familie und andere Menschen betrogen und bestohlen habe. Ich weiß es noch zu gut, was ich für ein schlechtes Gefühl hatte, als ich zum ersten Mal ins Gefängnis kam, wie demütigend es war, die Mülltonnen nach etwas Essbarem durchwühlen zu müssen und dabei gesehen zu werden, im Winter auf der Straße zu schlafen und glückliche Menschen zu beobachten, wie sie in der Weihnachtszeit an mir vorbeiliefen, ohne mich zu beachten. Dies alles und andere noch schlimmere Dinge habe ich nur deshalb erleben müssen, weil ich heroinsüchtig war. Zu den Drogen bin ich gekommen, weil ich ein liebloses und sinnloses Leben hatte. Davor floh ich zur Droge, zehn Jahre lang. Ein Leben mit Schmerz und ohne Würde, mit Neid, Hass, Gewalt und Sehnsucht nach dem Tod. Ich hatte nur einen einzigen Wunsch und das war zu sterben…

 

Der Grund, warum ich jetzt darüber sprechen kann, liegt darin, dass ich seit vier Jahren geheilt bin, das verdanke ich der Fazenda da Esperança. Da ich im Laufe meiner Drogenkarriere viele Therapien gemacht hatte und diese nicht hilfreich waren, saß ich im Jahr 2013 in der JVA und wartete auf eine weitere Chance, die es aber eigentlich aufgrund meiner vielen abgebrochenen Therapien nicht mehr für mich gab. Eines Tages aber kam der Drogenberater der JVA und sagte zu mir, dass er eine Einrichtung kennt, die mir trotz allem eine Chance geben würde. Da hörte ich zum ersten Mal von der Fazenda. Ich akzeptierte sofort alle Bedingungen und Auflagen, ohne weitere Fragen zu stellen. Als der Drogenberater mich nach langen Verhandlungen mit der Staatsanwaltschaft dahin brachte, ahnte ich noch gar nicht, was mich erwarten würde: Kein Rauchen, kein Handy, kein Fernsehen, stattdessen Gemeinschaftsräume und Gebet.

 

Es waren fast drei schwere Monate vorbeigegangen, als ich erfuhr, dass der Gründer der Fazenda, Pater Hans Stapel, aus Brasilien zu uns kommen würde. Er hatte kurz vor der Reise das Bundesverdienstkreuz für seinen weltweiten Kampf gegen Drogen bekommen und ich war neugierig, was er für ein Mensch sei. Ich erhoffte mir, dass er mir einen Rat gäbe, wie ich meine Abhängigkeit besiegen kann. Als er kam, bat ich ihn um ein Gespräch und er nahm meine Bitte herzlich an. Eine ganze Stunde sprach ich mit ihm über mein Leben und weinte dabei. Er war die ganze Zeit still und hörte mir aufmerksam zu. Als ich fertig war, sagte er sinngemäß: „Darian! Ich sehe Sehnsucht, Enttäuschung und Traurigkeit in dir. Der Grund, warum du Drogen konsumiert hast, ist nicht nur der Drogenrausch selbst, sondern die Unterdrückung dieser Gefühle. Wenn du dich von deiner Sucht befreien möchtest, musst du dich zuerst mit dir selbst versöhnen und zu lieben lernen! Du musst an kleinen Dingen Freude haben und diese Erfüllung nicht woanders suchen. Fang an zu lieben, Darian, bevor es zu spät ist!“

 

Ich will nicht sagen, dass ich von da an sofort begriff, was zu tun ist. Ich will auch nicht behaupten, dass ich sofort bereit war, das umzusetzen, was ohnehin sehr viel von mir abverlangte. Aber die Haltung von Pater Hans zu mir, seine Einfachheit, die Sicherheit, mit der er sprach, und seine Überzeugung, dass ein Mensch, der seinem Leben einen Sinn verleiht und diesen zu seiner Lebensaufgabe macht, keine Konsumgüter mehr braucht, hat mich umgehauen!

Heute, vier Jahre später, kann ich behaupten, dass sein Konzept bei mir aufgegangen ist. Mittlerweile lebe ich seit über einem Jahr als stellvertretender Hofleiter auf einer Fazenda im Allgäu, um meine Erfahrung des neuen Lebensstils zu festigen und etwas von dem zurückzugeben, das ich auf der Fazenda geschenkt bekommen habe. Ich merke, wie sehr ich mich verändert habe und durch die Aufgabe wachse. Ich bin glücklich und dankbar, dass ich die Fazenda kennen gelernt habe und sie mir diese Chance für ein neues Leben gegeben hat. Auch meine Mutter ist darüber froh und überglücklich. Dies bezeugen ihre Tränen, die sie neulich vor Freude vergoss, als ich nach einem Besuch bei ihr meine Rückreise zur Fazenda antreten wollte. Sie sagte unter Tränen: „Darian, die Fazenda ist das Beste, was dir in deinem ganzen Leben passiert ist.“

Fazenda da Esperança, im März 2017

* Name geändert

Therapie-Erfahrungen:

Abschied von Daniel

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Kontaktaufnahme

Für Absprachen meldet euch bitte bei den jeweiligen Fazendas, die ihr unter Kontakt findet.

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